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Galerie
der simulierten Bilder – Auf E.S. Kings Spuren
E.S.
King publizierte in seinem 1902 erschienen Artikel
eine Fotografie des Kugelsternhaufens
M 13. Das besondere an dieser
Aufnahme ist, dass die Nachführung weder in der Deklinations-
noch in der Rektaszensionsrichtung (manuell) korrigierte wurde.
E.S. King berechnete aufgrund des zu beobachteten Ortes
(Deklination, Stundenwinkel) und der geografischen Breite des
Observatoriums die Position der Stundenachse und die
Nachführgeschwindigkeit. Dann liess er das Teleskop eine
Stunde ungestört nachführen und das Ergebnis ist die
obige Abbildung. In der Vegrösserung
sind die Sterne zwar nicht vollständig punktsymmetrisch aber
nahezu. Bedenkt man, dass er „nur“ sein Wissen um die
Refraktion und eine regelbare mechanische Uhr hatte, dann ist dies
eine herausragende Leistung.
Schritt
für Schritt zur Fotografie des M 13, der Effekt ...
Um
einen Eindruck zu bekommen, wie die Fotografie des M 13 von E.S.
King zu stande kam, wird der Weg mit den folgenden Abbildungen
Schritt für Schritt nach gezeichnet. Die
Simulationsbedingungen sind identisch mit den Angaben von E.S.
King. Der Beobachtungsstandort ist das Harvard College Observatory
(geografische Breite j= 42.38o)
und er begann die Aufnahme beim lokalen Stundenwinkel t=
3h11m und sie dauerte eine Stunde. Der
Durchmesser des Objektivs des Draper Teleskops betrug 279
Millimeter (11”) und die Brennweite 3350 Millimeter.
...
der Ausrichtung der Stundenachse
 Abbildung
1: Die Stundenachse zeigt auf den wahren Pol und das Teleskop ist
mit siderischer Geschwindigkeit nahgeführt. Die Länge
des grünen Balkens ist 10 Bogensekunden in beiden
Richtungen. Norden ist oben und Osten ist links. Die Spuren der
Sterne sind für drei Wellenlängen (450, 550 und 650 nm)
gerechnet.
Abbildung
2: Die Stundenachse zeigt auf den scheinbaren (refraktiven) Pol
sonst wie Abb. 1.
In
Abb. 1 ist die Stundenachse des Teleskops
auf den wahren Himmelspol ausgerichtet und die
Nachführgeschwindigkeit ist siderisch und entspricht damit
der Erdrotation. Die neuen auf einem quadratischen Gitter mit der
Kantenlänge von 20 Bogensekunden angeordneten Sterne sind
anfänglich zentriert und da das Teleskop sich zu schnell
bewegt zeigen die Spuren ostwärts. Da der lokale
Stundenwinkel während der Belichtung zu nimmt, verstärkt
sich der Effekt der Refraktion und die scheinbaren Sternörter
werden immer mehr in Richtung Zenit angehoben. Die resultierenden
Spuren sind deutlich länger als 10 Bogensekunden.
In
Abb. 2 ist die Verbesserung der Abbildung
gut zu erkennen. Die Bewegung in der Deklinationsrichtung ist
stark reduziert und etwas über kompensiert.
...
der Nachführgeschwindigkeit
 Abbildung
3: Die Stundenachse ist auf den scheinbaren Pol ausgerichtet und
die Nachführgeschwindigkeit entspricht der sogenannten
King's Rate, sonst wie Abb. 1.
Abbildung
4: Die momentane Nachführgschwindigkeit entspricht der von
E.S. King in seinem Artikel
abgeleiteten Wert.
Häufig
haben heutige Teleskope neben der siderischen, lunaren oder
solaren Geschwindigkeit auch noch die Möglichkeit das
Teleskop mit der sogenannten King's Rate nach zuführen. Diese
Geschwindigkeit ist im Prinzip nicht konstant, hängt sie doch
von der Temperatur der Luft am Boden ab (unter anderem). Diese
Nachführgeschwindigkeit gilt allerdings nur für die
Deklination von 0o im Meridian und auch dann nur wenn
die Stundenachse exakt auf den wahren Pol zeigt. Ansonsten ist sie
nicht besser oder schlechter, als die siderische Geschwindigkeit,
da die Differenzen meist mit einem automatischen
Nachführkorrektursystem ausgeglichen werden. In Abb.
3 ist die Wirkung der King's Rate gegenüber der
siderischen Geschwindigkeit (Abb. 1 und 2)
leicht erkennbar. Die Sternspuren sind nun in der
Rektaszensionsrichtung komprimiert. Da an der Stellung der
Stundenachse nichts geändert wurde, ist die Bewegung in der
Deklinationsrichtung natürlich die gleiche wie in Abb.
2. Interessanter wird es, wenn man die korrekte
Nachführgeschwindigkeit in der Rektaszensionsrichtung gemäss
der Formel aus dem Artikel
von E.S. King anwendet. Die Bewegung in der Rektaszensionsrichtung
ist Null. Das bedeutet, vorausgesetzt der Antrieb des Teleskops
funktioniert fehlerfrei, dass man auf ein Nachführkorrektursystem
verzichten könnte. Wie im vorhergehenden Fall ändert
sich an der Bewegung in der Deklinationsrichtung nichts. Die Länge
der Spur ist nun noch etwa 2.5 Bogensekunden.
Die
Feinjustierung der Stundenachse
 Abbildung
5: Die Stundenachse wurde gmäss der Formel von E.S. King
abhängig vom momentanen Stundenwinkel eingestellt. Die
Simulation erfolgte bei ruhiger Luft, d.h. die Luftunruhe ist
Null. Der Stern unten rechts ist stark aufgehellt, damit die
Struktur der Beugungsringe sichtbar wird.
Abbildung
6: Gleich wie Abb. 5 aber mit der Luftunruhe von ca. 1.5
Bogensekunden.
Die
einzige Möglichkeit die Bewegung in der Deklinationsrichtung
zu kompensieren besteht darin, dass die Stellung der Stundenachse
laufend an das Beobachtungszentrum, d.h. als Funktion der
Deklination und des lokalen Stundenwinkels, angepasst wird. Dies
ist in der Abb. 5 getan und die bisherige
Dreifarbendarstellung
zeigte nur noch drei Punkte. Deswegen wurde der Abbildungsmodus
geändert und das Beugungsbild
simuliert. Man sieht nun deutlich die Effekte der Dispersion
welche das Sternabbild als kleines Spektrum erscheinen lässt.
Im
Unterschied zur Abb. 5 ist in Abb. 6 die
Luftunruhe nicht Null, sondern sie beträgt 1.5 Bogensekunden,
was die Sternabbilder realistisch erscheinen lässt. Bestimmt
man nun die Deformation der Sternabbilder bzw. man misst die Länge
des Spektrums, so kommt man dem Wert, den E.S. King in seinem
Artikel zu 2 Bogensekunden angegeben hat, sehr nahe. Es sind dies
ca. 1.5 Bogensekunden. Geht man nun davon aus, dass E.S. King eine
lediglich im blauen Bereich sensibilisierte Fotoplatte einsetzte,
dann wären die Spuren im panchromatischen Fall, wie hier
gezeigt, vielleicht 2.5 bis 3 Bogensekunden. Wie Eingangs erwähnt,
standen E.S. King keine elektronischen Hilfsmittel zur Verfügung
und wahrscheinlich liess er die Stundenachse während der
Aufnahmedauer unverändert, so dass seine Angaben zu den
Spurlängen absolut realistisch sind.
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